Was ziehe ich an? Nach Schuften auf dem Bau in die Glocke – Erfahrungen

Was ziehe ich an? 2.0.

Nach sechs stunden schuften und streichen im Alleins, stelle ich fest dass das konzert in der Glocke eine halbe stunde früher beginnt als ich dachte; keine zeit nach hause zu fahren um mich umzuziehen!
Eine fast saubere, hellgraue jeans habe ich, und die passt einigermassen zu den schweren grauverstaubten baustelleschuhen, aber ich bin verschwitzt, fühle mich dreckig und bin alles andere als parfümiert.

Ich radle dahin um rechtzeitig meine karte abzuholen, mit der hoffnung einer der mirbekanntenmusiker könnte mir was anzuziehen ausleihen, aber sie sind alle beschäftigt mit instrumenten stimmen, sich schminken oder sich vor dem auftritt zu sammeln.

Ich renne nach unten zur garderobe und fange an die schichten auszuziehen: das farbgefleckte schwarze vlies, (mit besonders grossem weißen fleck über der rechten brust), das nicht mehr weiße hemd das ich schon mehrmals zum streichen angehabt habe, und nun bleibe ich da in einem königsblauen funktions t-shirt das als schweißfänger gedient hat, komplett mit loch aber mit nur wenigen kleinen weißen flecken stehen. Ich stopfe das loch und ein paar flecken in die hose, und nehme den lift hoch zum balkon.
Der saal ist glücklicherweise nicht voll und ich suche mir einen platz wo rechts und links von mir keiner sitzt. Ich nehme die merkwürdigen klumpen die aus dem kurzärmligen t-shirt hervorkommen wahr und erkenne sie als muskeln die gestern gar nicht existiert haben. Ich streife meine steifen ha

are und befürchte eine staubwolke aufzuwirbeln. Als ich mein ohr kratze, fällt mir ein ohrringgrosser punkt weiße farbe in der hand. Ich versinke tief in den stuhl und fange wegen der klimaanlage zu frieren an. Noch nie hat Bach mich weniger erreicht. Nach fast einer stunde ist die pause endlich gekommen, und ich täusche einen husten vor um schnell aus den saal zu kommen und die treppe zur garderobe nach unten zu rennen. „es geht nicht“ flüstere ich der in saubere uniform gekleidete garderobenfrau zu, und hole meine fahrradtasche voll zusammengerollter arbeitsklamotten zurück.

Im tempo allegro radel ich nach hause, unterwegs ausgeschimpft von einer frau mit hund wegen meinem rotampelmissachtenden fahrstil, und springe unter die heiße dusche. Prestissimo hüpfe ich in einen kurzen, engen rock, stopfe perlen in die ohrlöcher, ziehe eine schicke jacke an und radel con fuoco zur Glocke zurück – rechtzeitig für den schlussapplaus. Cool beglückwünsche ich den kollegen und plaudere über die vorstellung beim sektempfang. Der dirigent kommt auf mich zu, bedankt sich dass ich zum konzert gekommen bin und macht mir ein kompliment über meine schöne jacke und wie sehr diese königsblaue farbe mir steht!! Die Musik ist schon längst verklungen, aber der frischgestrichene raum im Alleins wird lange strahlen!

renée

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