Erfahrungen im Schreibraum

Zum zweiten Mal schon haben wir uns statt in den vertrauten Räumen des Alleins im Bildschirm-Raum getroffen. Das hat gegenüber früher einen entscheidenden Vorteil: Menschen, die zu weit weg wohnen, um regelmäßig für eine Veranstaltung nach Bremen zu kommen, von denen wir im Alleins ja einige haben, können ganz problemlos dabei sein! Das hat mich riesig gefreut. 

Wir sehen voneinander nur Kopf und Schultern, und dadurch passen alle Teilnehmenden zusammen auf einen Monitor. Bei großen Gruppen ist das anders (auch wenn man über ein Handy teilnimmt), aber in der feinen überschaubaren Runde entsteht dadurch doch das Gefühl, den anderen direkt gegenüberzusitzen.

Nach der Begrüßung gibt es jeweils eine kreative Übung, wie man sich anders als sonst üblich den anderen „vorstellen“ kann. So kriegt eine schon eine leise Idee davon, wie die andere tickt (oder der andere, aber wir waren die Male alles Frauen). Und die beiden anderen Schreibimpulse, die ich hineingebe, dienen dazu, die jetzige Situation des Shutdown, wie sie sich für die einzelne Person gerade darstellt, zu beleuchten. Mir geht es so, dass ich trotz der größeren Ruhe einen vertrauten Aktionismus an den Tag lege, versuche, effektiv zu sein, und Dinge zu tun, zu denen ich vorher keine Zeit hatte. Aber was unterschwellig in mir arbeitet und quasi den Hintergrundfilm meiner Gedanken darstellt, bekomme ich nicht in den Focus. Es sei denn, ich schreibe!

Es ist sehr bestärkend, zu erleben, wie durch diese gemeinsame Tätigkeit Offenheit und Gemeinschaftlichkeit entsteht – wir erkennen uns in den anderen wieder, die gewissermaßen im selben Kammerorchester jeweils ihre eigene Stimme spielen: andere Töne sind es und zusammen wird es Musik. Und dann gibt es noch das Tüpfelchen auf dem i – überraschende Wortfindungen, die etwas Ungreifbares doch in ein Bild fassen können: Corona ist wie ein Schüttelfrost der Erde, Corona ist wie ein Loch im Eimer, das ich nicht stopfen kann ..., Corona ist Schmirgelpapier für die Nerven und Gewohnheiten

Wir haben das besondere Glücksgefühl erlebt, das durch den kreativen Prozess entsteht.

Möchtest du dir auch Zeit nehmen für eine persönliche Standortbestimmung und den Austausch über das Geschriebene? Lies hier mehr über Zeit und Ablauf; anmelden kannst du dich über naumann@kunst-kontext.de

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